Der Kunde is Könich – wahre Werkstattgeschichten – Teil 2

Hinter den Kulissen ist natürlich auch jeder Kunde König. Trotzdem gibt es „Experten“.

comp_comp_sam_3652aHier nun eine neue, lustige Geschichte rund um Kuriositäten aus dem „Werkstattalltag.“

Wer von euch war schon mal so richtig in einer Autowerkstatt? Also nicht Privatscheunen und auch nicht nur zum Schlüssel- und Autoabgeben, wenn es wieder zur Inspektion muss? Die KFZ-Mechaniker unter euch garantiert. Ich auch, allerdings in Praktika ohne Ausbildung. Da passieren manchmal lustige Geschichten. Deshalb habe ich auch Blogleser Jürgen gefragt, ob er nicht einmal Lust hätte, ein paar seiner Geschichten aufzuschreiben. Das hat er das letzte Mal schon im ersten Teil gemacht. Und da der gut angekommen ist und auch für relativ viele lustige Geschichten (gerade auf der Watt’n-Schrauber-facebook-Seite) gesorgt hat, kommt hier nun eine weitere Geschichte, die ich echt gut fand. Gerade die Autohygiene erinnert mich ein bisschen an meine Wenigkeit… Viel Spaß!

Eine Kontrolllampe schaut mich an…

Wir hatten in unseren Kundenstamm einen Herrn mit einem Kleinwagen, der eine Kiesgrube besaß. Als an diesem Auto mal wieder eine Inspektion fällig war, brachte er den Wagen zu uns in die Werkstatt.

Der zuständige Mechaniker sah das Auto und wies den Kunden darauf hin, dass er das Auto so nicht bearbeiten würde. Der Kunde soll bitte zum nächsten Waschplatz fahren und das Kies, das sich tonnenweise in den Radkästen und im Motorraum befindet, raus waschen. Der Kunde zog überrascht von dannen und kam mit einem sauberen und vermutlich halb so schweren Auto zurück.

Die Inspektion am Auto wurde ordnungsgemäß durchgeführt. Das Motoröl, sämtliche Filter und die Zündkerzen wurden gewechselt, die Ventile und die Kupplung wurdencomp_comp_SAM_1450 eingestellt, der viel zu geringe Reifenluftdruck wurde berichtigt und zum Abschluss wurde auch eine grobe Innenraumreinigung gemacht, weil das zum Service gehört. Nachdem die dicke Staubschicht vom Kombiinstrument gewischt war, konnte man sogar den Tacho und die Kontrolllampen sehen. Diese funktionierten wie sie sollten. Auch die Kontrolllampe für den elektronischen Vergaser tat das, was sie sollte: bei Fehlern in der Vergasersteuerung blinkte sie auf und ein Tongeber gab ein nervtötendes Piepsen von sich.

Nachdem auch der Meister sein OK gegeben hatte, dass alles in Ordnung ist, konnte der Kunde das Auto wieder abholen. Dafür wurde der in auffälligem gelb lackierte Kleinwagen auf dem Kundenparkplatz rückwärts eingeparkt. So konnte der Kunde nach Bezahlen der Rechnung und Verlassen des Ausstellungsraums ohne Rangieren losfahren. Da der Kunde für seinen heldenhaften Umgang mit Gas- und Kupplungspedal bekannt war, wunderte sich auch keiner über den in höchsten Tönen aufjaulenden Motor, als der Kunde losfuhr. Zudem wurde die Kupplung neu eingestellt, also war der Schleifpunkt ein komplett anderer als vor der Inspektion.

Ein paar Minuten später ereilte unseren Werkstattmeister ein Anruf des deutlich aufgebrachten Kunden: Wir hätten bei der Inspektion richtig Scheiße gebaut, das Auto hätte keine Leistung mehr und die Kontrolllampe vom Vergaser würde dauerhaft leuchten. So könne er nicht fahren, wir sollten unbedingt nochmal nachsehen!

Der Meister erklärte sich dazu bereit, den Wagen sofort noch einmal anzusehen, wenn der Kunde kurz zur Werkstatt kommen möchte. Da er nur einige Hundert Meter entfernt wohnte, stimmte er zu. In der Zeit bis zum Eintreffen des Kunden hielt der Meister Rücksprache mit dem Mechaniker, der glaubhaft versichern konnte, die Inspektion absolut gewissenhaft und nach Inspektionsplan durchgeführt zu haben.

Der Kunde fuhr wieder mit deutlich erhöhter Drehzahl auf den Parkplatz und stieg mit ungewöhnlich roter Gesichtsfarbe aus seinem Auto aus. Seine sofortig gestartete Schimpftirade enthielt die Worte: „Drecksladen… Scheißarbeit… Kontrolllampe…. piepst nicht mehr…. sieht jetzt anders aus, als würde sie mich anschauen. Da sind zwei Augen drauf!

Der Meister hatte schon eine Ahnung, verkniff sich ein Grinsen, schaltete die Zündung ein Marbellabildund wurde in seinem Verdacht bestätigt. Nachdem er die Handbremse gelöst hatte, erlosch die Kontrolllampe. Die Lampe für den elektronischen Vergaser ist links davon… Ganz kleinlaut gestand uns der Kunde, dass er diese Lampe noch nie gesehen hatte, weil er erstens die Handbremse noch nie angezogen hatte und zweitens war die Scheibe vom Kombiinstrument so dreckig, dass er nur schemenhaft erkennen konnte, was da aufleuchtete.

Somit war die Kundenbeanstandung ohne großen Aufwand beseitigt worden.

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Über larsdithmarschen

Autoverrückt, restauriert einen Buckelvolvo mit wenig Budget, mag Fotografieren, Tanzen und ist manchmal wohl ein wenig durcheinander. Und mag Norddeutschland.
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2 Antworten zu Der Kunde is Könich – wahre Werkstattgeschichten – Teil 2

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